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Coolify auf Hetzner: warum Mittelständler damit oft besser fahren als mit AWS

Wenn ein Team unter zehn Entwicklern liegt und die Workloads nicht hyperskalig sind, ist eine selbst gehostete Coolify-Instanz auf Hetzner-Hardware in fast jeder Dimension einfacher und günstiger als AWS — vorausgesetzt, man kennt die Grenzen.

· 2 Min. Lesezeit · 432 Wörter ·

Wenn ein neuer Mittelständler bei mir vorbeischaut und sein Web-Stack auf AWS läuft, ist die häufigste Frage in der ersten Stunde: Müssen wir das wirklich so kompliziert haben? Die ehrliche Antwort ist meistens nein — und seit es Coolify gibt, wird das Argument noch deutlicher.

Wo der Reibungsverlust entsteht

AWS gewinnt an genau zwei Stellen: bei elastischen Lasten, die in Sekunden um den Faktor 100 nach oben oder unten skalieren, und bei Compliance-Vorgaben, die explizit auf AWS verweisen. Beides ist für die meisten meiner Kunden nicht relevant. Was relevant ist:

  • Kosten ohne Schweißausbruch am Monatsende. Eine Hetzner-Maschine mit acht Kernen und 32 GB RAM kostet im Monat weniger als ein einziger AWS NAT-Gateway.
  • Eine Person, die das versteht. Die Komplexität von AWS verlangt regelmäßig eine eigene Rolle. Bei zwei bis fünf Entwicklern wird das absurd.
  • Lokales Recht ohne Auslegungsfragen. Hetzner-Rechenzentrum in Falkenstein. Fertig. Kein „technically the data could traverse the US under Schrems II”-Disclaimer.

Was Coolify konkret löst

Coolify gibt Ihnen die Heroku-Ergonomie (Git push, automatisches Deploy, einfache Datenbanken, Backups, TLS) auf einem Server, den Sie selbst kontrollieren. Konkret:

  • Eine Anwendung deployen ist git push → Coolify baut den Container → läuft. Kein Terraform, kein CDK.
  • PostgreSQL, Redis, MinIO sind One-Click-Resources mit eingebauten Backups in Object Storage.
  • TLS läuft über das integrierte Caddy/Traefik mit Let’s Encrypt — automatisch.
  • Monitoring, Logs, Webhooks für externe Trigger — alles drin.

Was Coolify nicht gibt: globale Verteilung mit < 50 ms Latenz auf vier Kontinenten. Wenn das ein Hard-Requirement ist, bleiben Sie bei einer großen Cloud. Für die meisten DACH-Mittelständler ist es das nicht.

Wann ich davon abrate

  • Compliance schreibt einen bestimmten Anbieter vor. Manche Branchen (öffentliche Hand, Teile des Gesundheitswesens) haben explizite Vorgaben.
  • Sie haben Lastspitzen, die in Sekunden eine Verzehnfachung verlangen. Das ist mit selbst-gehosteter Hardware nicht machbar.
  • Niemand im Team will den Server aktuell halten. Updates für Coolify selbst, OS-Patches, Backups verifizieren — das ist nicht viel Arbeit (etwa zwei Stunden im Quartal), aber jemand muss es tun.

Faustregel

Wenn Sie monatlich unter 200 EUR an AWS zahlen und es trotzdem als komplex empfinden — wechseln Sie. Wenn Sie über 2.000 EUR zahlen und kein Skalierungs-Argument haben — wechseln Sie erst recht.

Coolify ersetzt für die meisten Mittelständler nicht nur den Cloud-Anbieter, sondern auch zwei oder drei Tools nebenbei: Vercel/Netlify, ein Monitoring-Dashboard, vielleicht eine separate Datenbank-Hosting. Das sortiert sich nach dem Umstieg sehr aufgeräumt.

Wer überlegt, ob das für sein Setup passt: ich schaue mir das in einem 60-Minuten-Gespräch ehrlich an. Auch mit klarem Nein, wenn es nicht passt.

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